Das lyrische Ich ist ein Vertreter der westlichen Welt

Bastian-Bandt1

Foto: Ricardo Wittig

Der Sänger und Songwriter Bastian Bandt wurde am 29. April 1978 in Schwedt an der Oder geboren und begann dort 1988 seine musikalische Ausbildung im Fach „Klassische Gitarre“. Im Alter von 15 Jahren trat er das erste Mal mit selbstverfassten Liedern auf und bekam 1997 den „Brandenburger Liedermacherpreis“.

Es folgen erste Veröffentlichungen, ein Verlagsvertrag bei Raumer-Records Berlin und weitere Auszeichnungen für Text und Musik. Nach dem Abitur arbeitete Bastian Bandt als freier Musiker, Schauspieler, Liedermacher und Chansonier. Die Neuvertonung von Tucholsky-Texten, die er 2001 zusammen mit dem Jazzpianisten Jan Mareck in dem Album „Das Tucholsklavier“ unter seinem Geburtsnamen Sebastian Günther Birr veröffentlichte, erreichte nationale und internationale Anerkennung. Am Maxim Gorki Theater Berlin arbeitete er 2008 das erste Mal als Theatermusiker mit Regisseur Ronny Jakubaschk zusammen. Es folgten Arbeiten am Theaterhaus Jena, Stadttheater Aachen, Neuen Theater Halle und dem Theater der jungen Welt in Leipzig.

Am 1. Dezember 2014 erschien sein aktuelles Album „Nach Osten“ bei Raumer-Records.

Was er auf meine Fragen antwortete, könnt Ihr im Folgenden lesen:

Du bist in Schwedt an der Oder aufgewachsen. Das heißt in der damaligen DDR. Wie blickst du heute auf diese Zeit zurück? Hat dich dies persönlich oder musikalisch beeinflusst?

Nun ja, zur „Wende“ war ich 11 und ich stamme aus einem eher unmusikalischen Haushalt. Also ich hatte als Kind nur eine Frank Schöbel Platte und eine mit Country-Hits, ein bisschen hört man das heute noch finde ich. Das Liederschreiben habe ich wohl von meinem Vater, den ich aber nie kennenlernen durfte. Er hat mich und meine Mutter früh verlassen, eigentlich sofort. Als ich dann zu einem Familienfest mit einem Teppichklopfer als Gitarre auftrat und 99 Luftballons zum Besten gab, erntete ich zunächst nur Verwunderung, wurde dann aber doch in meinen Begabungen gefördert. So richtig Eindruck gemacht haben bei mir dann erst Mitte der 90er Künstler wie Gerhard Gundermann, Hans Eckard Wenzel und ausm Westen Element of Crime. Im Wesentlichen höre ich die bis heute. Der entscheidende Auslöser für meinen Weg war allerdings ein Konzert der Heimatlosen, einer Band aus Schwedt, da war ich 14. Ich hatte seit meinem 9. Lebensjahr klassischen Gitarrenunterricht und später dann Plektrum-Schlaggitarre, wie es in Schwedt damals noch hieß, aber als ich die Heimatlosen hörte, wollte ich nur noch Liedermacher sein. Mein E-Gitarrenlehrer schmiss mich raus, als ich ihm mein Vorhaben eröffnete und die Welt stand mir offen. Im Wesentlichen ist das auch so geblieben.

Die Songs auf dem Album sind sehr direkt aber auch poetisch geschrieben. Bist du privat auch ein direkter Mensch?

Nein, deshalb ja die Poesie. Zum meinem Glück habe ich privat fast nur Menschen um mich, die mir keine Direktheit abverlangen. Das ist auch der Grund, warum ich keinen Hund habe, obwohl mich das oft schmerzt.

Wie entstehen die Ideen zu deinen Liedern?

Im Ganzen. Also ich habe die Idee von einem Lied und weiß schemenhaft sofort wie es geht, der Rest ist Fleiß und guter Geschmack. Wenn mir nur ein Fragment einfällt, wie z.B. eine Melodie oder eine Textzeile, bleibt es das meist auch und wird kein Lied. Grundsätzlich sind ja die Lieder meine Form des Ausdrucks, also der künstlerischen Verarbeitung meiner Eindrücke. Nicht, dass ich mich nicht auch normal mitteilen könnte, es reicht mir nur eben meist nicht. Was mich also bewegt wird Lied. Manchmal auch das, was einen bewegt, der wieder mich bewegt.

Dein Album heißt „Nach Osten“. Hat es eine Bedeutung, dass einige Deiner Stücke „Norden“, „Süden“, „Osten“und „Westen „heißen? Es liest und hört sich fast so, als würdest Du mit Deinen Fans eine Hörerreise unternehmen.

Nein, keine Reise. Gemeint ist eher die Verortung. Sowie Himmelsrichtungen allein, ohne Bezug wenig hilfreich sind, so ist auch die politische Dimension und die Poesie des Wortes Osten, ohne jene des Wortes Westen ohne Bezug. Vom deutsch-deutschen Ost-West bis zum globalen Nord-Süd, unsere Welten sind aufgeteilt in Halbkugeln und es kommt sehr darauf an, auf welcher du geboren wurdest.

Bastian-Bandt

Foto: Ricardo Wittig


Wie stark unterscheidet sich Deine aktuelle Scheibe vom Vorgängeralbum?

Das 2012 erschienene Album „Stroh aus Gold“ ist das Ergebnis einer Tournee mit Gitarrist Laslo Feher. Ich war viel mit Theater, Theatermusik, Vertonungen und Nachdichtungen beschäftigt und habe wenig eigene Lieder gemacht. Die Stroh aus Gold Tour mit Laslo war seit Jahren die erste mit ausschließlich eigene Liedern. Ich rief von unterwegs den Produzenten Peter Talmann von Raumer-Records an und erzählte ihm von den Sachen, die wir da machten. Er hatte 2001 meine Tucholsky-Neuvertonungen produziert und entstanden war das Album „Das Tucholsklavier“ mit Jazzpianist Jan Mareck. Glücklicherweise lag auf der Tour das Liedermachertreffen in Hoyerswerder und ich lud Peter dorthin ein. Wir gewannen den Jury-Preis und eine Woche später saßen wir in Berlin und habe das Album an einem Tag eingespielt. Seither arbeite ich wieder eng mit Peter Talmann zusammen und in dem Album „Nach Osten“, haben wir versucht, einen gemeinsamen Ton zu finden, den Klang, der Bastian Bandt ausmachen könnte. Ja, ich glaube, wir beide suchen nach Bastian Bandt. Auch und weiter im neuen Album, das im Herbst erscheint. Das ist der Unterschied.

Wie ich las, hast du bereits eine Menge Auszeichnungen erhalten. Gibt es einen Preis, den du noch gern gewinnen würdest?

Ja, alle. Ich finde Auszeichnungen toll. Und Geld mag ich auch.

Wo können Dich Deine Fans und Interessierte in nächster Zeit live erleben?

Alle Daten gibt es auf www.bastian-bandt.de zu lesen.

Deine aktuelle Single heißt „Halt meine Hand“ und hat eine sehr ohrwurmartige Melodie. Worum geht es in diesem Song?

Dieses Lied zählt, wenn man so will zum Sektor Westen des Albums. Das lyrische Ich ist ein Vertreter der westlichen Welt, der darum bittet gestoppt zu werden, damit er den anderen Menschen auf allen anderen Halbkugeln und aber auch seinesgleichen und sich selbst keinen Schaden mehr zufügen kann. Wen er darum bittet, bleibt im Text offen, wenngleich der Autor als praktizierender Christ eine Antwort weiß.

Autorin / Interviewerin: Christina Angrabeit

Internet: http://www.Bastian-Bandt.de

cover-entwurf

Foto: Ricardo Wittig

Titel

01 Osten
02 Norden
03 Süden
04 Westen
05 Wo sie ist
06 Alles da
07 Lass mich
08 Lilli 2
09 Halt meine Hand
10 Vergangenes Jahr
11 Elsa
12 Einfach mal die Fresse halten
13 Trost

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